Aus welchen Gründen ziehen Schiiten das Mittag- und Nachmittagsgebet sowie das Abend- und Nachtgebet zusammen? Zunächst muss gesagt werden, dass es keine Beweise dafür gibt, dass der Prophet, die Imame und die damalige Gemeinschaft zu fünf verschiedenen Zeiten ihre 5 Gebete verrichtet haben. Für den Beweis werden wir sowohl den Koran betrachten als auch die Überlieferungen.

Im heiligen Koran lesen wir (17/78):

Verrichte das Gebet beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht, und (auch) die (Qurʾān-)Lesung (in) der Morgendämmerung. Gewiß, die (Qurʾān-)Lesung (in) der Morgendämmerung wird (von den Engeln) bezeugt.

ʾaqimi ṣ-ṣalāta li-dulūki š-šamsi ʾilā ġasaqi l-laili wa-qurʾāna l-faǧri ʾinna qurʾāna l-faǧri kāna mašhūdan

Sunnitische Auslegung:

Imam Fakhr al-Din al-Razi, der berühmte sunnitische Korankommentator, schreibt über den zitierten Vers (Sure 17, Vers 78):

Wenn wir die Dunkelheit (Ghasaq) als die Zeit interpretieren, in der die Dunkelheit zum ersten Mal auftritt, bezieht sich der Begriff Ghasaq auf den Beginn von Maghrib. Auf dieser Grundlage werden im Vers drei Zeitpunkte erwähnt: ‚die Zeit des Mittags, die Zeit des Beginnes von Maghrib und die Zeit von Fajr ‚. Dies setzt voraus, dass der Mittag die Zeit von Zuhr und‘ Asr ist, diese Zeit wird zwischen diesen beiden Gebeten geteilt. Die Zeit des Beginns von Maghrib ist die Zeit für Maghrib und ‚Isha‘, daher wird diese Zeit auch zwischen diesen beiden Gebeten geteilt. Dies erfordert, dass die Kombination zwischen Zuhr und Asr sowie zwischen Maghrib und Isha jederzeit möglich ist. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Kombinieren zu Hause ohne Entschuldigung nicht zulässig ist. Dies führt zu der Ansicht, dass das Kombinieren auf Reisen oder bei Regen usw. erlaubt sein darf.

Bis hierhin können wir beweisen, dass es 3 Zeiten für das Gebet gibt, die im Koran erwähnt werden.

Jetzt muss noch bewiesen werden, dass die Gebete zusammengezogen werden dürfen, ohne einen Grund wie beispielsweise die Reise zu haben. In vielen Überlieferungen wird erwähnt, dass der Prophet s. Gebete ohne besonderen Grund kombinierte.

Sunnitische Überlieferung:

Sie überliefern vom Heiligen Prophet s. in ihren authentischen Büchern u.a. von Ibn Abbas, Maaz Ibn Jabal, Abdullah Ibn Masood und Abdullah Ibn Umar.

(1) Der Prophet s. betete in Medina, während sie dort wohnten und nicht reisten, sieben und acht (dies ist ein Hinweis auf die sieben Raka’t von Maghrib und ‚Isha‘ zusammen und die acht Raka’t von Zuhr und ʻAsr kombiniert).

(2) Der berühmte Erzähler der sunnitischen Welt, Ahmad bin Hanbal, schreibt in seinem berühmten Buch Musnad von Ibn Abbas:

Der Heilige Prophet (s.a.w.a.) pflegte Mittag- und Nachmittagsgebete zu beten und auf die gleiche Weise Abend- und Nachtgebete ohne die Angst vor dem Feind oder ohne die Entschuldigung des Reisens.

(3) Dann erzählt Jabir bin Zaid, der von Ibn Abbas erzählte, diese Überlieferung wie folgt: „Ich habe zusammen mit dem Heiligen Propheten (s.a.w.a.) die acht Rakats der Mittag- und Nachmittagsgebete oder die sieben Rakats der Abend- und Nachtgebete gebetet. Und diese Tradition wurde von Ibn Abbas mit verschiedenen Worten erzählt.

Schiitische Auslegung:

Im Tafsir al-Mizan lesen wir zum Vers:

Verrichte das Gebet beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht, und (auch) die (Qurʾān-)Lesung (in) der Morgendämmerung. Gewiß, die (Qurʾān-)Lesung (in) der Morgendämmerung wird (von den Engeln) bezeugt.

ʾaqimi ṣ-ṣalāta li-dulūki š-šamsi ʾilā ġasaqi l-laili wa-qurʾāna l-faǧri ʾinna qurʾāna l-faǧri kāna mašhūdan

dulūki š-šamsi:

Laut Überlieferungen ist duluk ein Zeichen für den Rückgang/Untergang der Sonne. Der arabische Begriff / dulūk / leitet sich ursprünglich vom Begriff / dalaka / ab, was „Reiben“ bedeutet, denn zu dieser Zeit und insbesondere in sonnigen Ländern neigt der Mensch normalerweise dazu, seine Augen wegen der Stärke des Sonnenscheins zu reiben, um besser zu sehen und die Sonne zu finden.

ġasaqi l-laili:

Laut einigen Gelehrten beschreibt der Begriff gasaq die intensive Dunkelheit der Nacht, welche ihren Höhepunkt in der Mitternacht hat.

qurʾāna l-faǧri:

Der arabische Begriff „qurʾāna“ bezieht sich auf das, was „gelesen“ wird, und der Ausdruck „l-faǧri“ bezieht sich insgesamt auf das „Gebet im Morgengrauen“.

Bis hierhin können wir festhalten, dass sowohl Schiiten als auch Sunniten sich einig sind, dass es fünf verpflichtende Ritualgebete zu drei Zeiten gibt. Zudem sind im Koran weitere Verse zu finden, wo die Gebete teilweise einzeln aufgeführt werden (z.B. 11/114).

Schiitische Überlieferung:

Ubayd-Ibn-i-Zararah befragte bezüglich des oben genannten Verses Imam Jafar Sadiq as:

Der Allmächtige hat die Muslime aufgefordert, vier Gebete zu verrichten, deren Beginn mit dem Rückgang der Sonne (mittags) beginnt und mit der Mitternacht endet.

Der Gesandte Gottes s. sagte: Gabriel kam zu mir auf dem Dulūk der Sonne – das heißt, wenn es anfängt zu sinken – und verrichtete das Mittagsgebet mit mir.

Der Gesandter Gottes s. rezitiert: Sicherlich wird die morgendliche Rezitation bezeugt (17:78) und gesagt: Gott bezeugt sie ebenso wie die Engel der Nacht und die Engel des Tages.

Schlussfolgerung

Wenn wir rational über die Kombination der Gebete nachdenken würden, würden wir selbst zum Entschluss kommen, dass diese Praxis am sinnvollsten ist. Nehmen wir mal, dass wir unsere Gebete zu fünf verschiedenen Zeiten verrichten müssten, wie sollte dies im Alltag umgesetzt werden? Es würde uns erheblich einschränken oder wir könnten unsere Gebete nur noch schwer pünktlich verrichten. Insbesondere in Ländern, in denen das Bildungs- oder Arbeitssystem nicht so strukturiert ist, dass es den Anforderungen der Muslime entspricht, ihre täglichen Gebete zu sprechen. Einige Berufe erfordern lange Stunden ununterbrochener Arbeit. Aus Bequemlichkeitsgründen und um zu vermeiden, dass das zweite der beiden Gebete verpasst wird, bieten die Schiiten ihre beiden Gebete in einem Intervall an, ob früh oder spät, während der festgelegten Zeit. Betrachten wir beispielsweise das Freitagsgebet. Würde man Zuhur und Asr zu verschiedenen Zeiten anbieten, würden viele den Lohn des Gemeinschaftsgebetes für das Asr Gebet verpassen.

So heißt es auch in einer weiteren Überlieferung über die Kombination der Gebete:

Es war für die Bequemlichkeit der Ummah!

Ibn Abbas berichtete, dass der Gesandte Allahs das Mittagsgebet mit dem Nachmittagsgebet und das Sonnenuntergangsgebet mit dem Isha-Gebet in Medina verband, ohne sich in einem Zustand der Gefahr oder des Regens zu befinden. Und in dem von Waki übermittelten Hadith heißtes: Ich sagte zu Ibn Abbas: Was hat ihn dazu veranlasst? Er sagte: Damit seine Ummah des Propheten nicht in (unnötige) Schwierigkeiten gerät.

 

Und der Dank gebührt Allah (s.), dem Herrn der Welten.